Zum Heiligen Abend

Verschiedene Gruppen haben sich in diesem Jahr mit der Gestaltung des Heiligen Abends beschäftigt. Wir haben geplant, umgeplant, neu geplant …
Viele Menschen haben sich eingebracht, mitgedacht, vorbereitet, mitgemacht – gebastelt, Konzepte geschrieben, Ideen umgesetzt, Materialien besorgt, Technik und Zeit zur Verfügung gestellt.

Euch und Ihnen allen sei herzlich gedankt!

Nun kam es nochmal ganz anders … und so wurden einige – aber längst nicht alle – Beiträge zu kleinen Aufnahmen: manche nur in Ton oder nur in Bild, manche in Ton und Bild: nicht perfekt, aber mit ganz viel Freude und dem Gedanken anderen eine kleine Weihnachtsfreude zu machen hier zusammengestellt.

Mit herzlichen Grüßen aus der Andreaskirche,
Pfarrerin Ruth-Elisabeth Schlemmer und Pfarrer Friedemann Büttner
im Namen aller Mitwirkenden

Gesegnete Weihnachten!

Der Weihnachtsgottesdienst kommt in diesem Jahr in Ihre Weihnachtsstube.

Aufnahmen vom 22.12.2020 – mit Weihnachtsgeschichte, Orgel, Projektchor, Kreuzband, Team Hirten, Team Stern, Team Friedenslicht

Kurze Impressionen und Impulse aus der Gemeinde:

Weihnachten 2020 in der Andreaskirche Erfurt – Aufzeichnung der Weihnachtspredigt von Pfarrerin R.-E. Schlemmer vom 22.12.2020
Die Verheißungen der Propheten, Kreuzband: „Die Kerze brennt“, Bläsergruppe: „Tochter Zion“
Team Hirten mit Vikar Graefe und den Schafen Scotch und Whiskey
Die Weihnachtsgeschichte – erzählt für Kinder.
Ein musikalischer Gruß der Kreuzband, Aufnahme vom 16.12.2020
Eine Gruppe um Pfarrer Friedemann Büttner musizierte für Bewohner in Pflege- und Altenheimen.

24. Dezember – Predigerkirche

Fotos: Matthias Schmidt

Dominikanermönche errichteten die Predigerkirche und das zugehörige Kloster ab 1238. Die Größe der Kirche legt nahe, dass sich die Bauzeit selbst über Jahrzehnte hinweg hinzog. Es entstand eine eindrucksvolle gotische Pfeilerbasilika. Beeindruckend sind in den Gewölben die Schlusssteine, die im hohen Chor biblische Szenen zeigen, im Langchor dagegen sind Zunftsymbole und Familienwappen zu erkennen. Sie bezeugen die Stiftungen für den Bau, die von reichen Kaufmännern stammen.

Die Dominikaner gehören wie die Augustiner zu den Bettelorden, die an ihren Kirchen auf pompöse Glockentürme verzichteten. Die geistliche Gemeinschaft der Mönche fand hinter dem Lettner, der baulichen Trennung zwischen Hohem Chor und Langschiff, statt. Sein Bau geht auf den Beginn des 15. Jahrhunderts zurück.  Am Lettnerdurchgang zum Hohen Chor befindet sich eine beeindruckende Verkündigungsszene aus dem Jahr 1360.

Jenseits des Lettners erschließt sich der Blick auf das historische Chorgestühl aus dem Jahr 1280. Die Chorfenster, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurden, hat der Glasmaler und Restaurator Heinz Hajna aus den Scherben kaleidoskopartig zusammengesetzt.

Der Blick vom Hohen Chor in Richtung Haupteingang im Westen gibt den imposanten Orgelprospekt frei, der 1648 erbaut wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges nutzte Gustav Adolf von Schweden die Predigerkirche als seine Hofkirche. 

Der Philosoph und Theologe des Spätmittelalters, Meister Eckhart, ist eng mit der Geschichte der Predigerkirche verbunden. 1275 trat er in Erfurt in den Dominikanerorden ein, in dem er später als Prior des Erfurter Predigerklosters für 20 Jahre Verantwortung trug. Seine Lehre war bewusst auf einfache Menschen ausgerichtet, die keinen Zugang zu lateinischen Texten hatten. Er bemühte sich, ihnen in deutscher Sprache die Theologie nahezubringen, schlug dabei eine Brücke zur Philosophie. Sich frei machen von äußerlicher Frömmigkeit und zugleich für sich persönlich eine Verbindung zwischen Gott und der menschlichen Seele herzustellen, das waren zentrale Themen seiner geistlichen Arbeit. Im Mittelalter stieß diese Lehre bei Bischöfen und dem Papst auf herbe Kritik. Er wurde der Häresie angeklagt und musste sich am damaligen Papstsitz in Avignon verteidigen. Während des Inquisitionsverfahrens ist Eckhart verstorben. Das Verfahren wurde nach seinem Tod weitergeführt und er in wesentlichen Teilen seiner Lehre der Häresie für schuldig befunden.  

Seit 1559 bis 1803 war die Predigerkirche evangelische Hauptkirche Erfurts, in der auch der Rat der Stadt tagte. An diese säkulare Funktion erinnern bis heute die zahlreichen Grabplatten von Erfurter Ratsmitgliedern.

Quelle: Gerhard Kaiser: Predigerkirche zu Erfurt. Regensburg, 2007

Die Stiftungsratsmitglieder der Andreasgemeinde wünschen Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest.

23. Dezember -Regler, Augustinertor

Für die heutige Reglerkirche wird der ursprüngliche Baubeginn auf 1160 bzw. 1170 geschätzt. Sie geht auf die Bruderschaft der Augustiner-Chorherren zurück, die nach den Regeln des heiligen Augustin in einer klösterlichen Gemeinschaft lebten. Sie hatten zunächst ihren Wirkungskreis bei der Allerheiligenkirche und der Engelsburg in der Allerheiligenstraße. Ein Armenhospital gehörte ebenfalls dazu. Sie übten nicht nur die Pfarrrechte für Taufe, Predigt und Beichte aus, sondern auch für den Krankenbesuch. Weitere soziale und kommunale Aufgaben in der aufstrebenden Handelsstadt Erfurt werden ihnen ebenfalls zugeschrieben.

Wer sein Ordensgelübde ablegte, verpflichtete sich auf die Lebensweise der vita canonica: gemeinsames Wohnen, Essen im Kloster sowie Verzicht auf weltlichen Besitz. Als Mönche im klassischen Sinne verstanden sie sich gemäß der canonici regulares nicht, wohl aber als klösterliche Priestergemeinschaft, die sich klerikalen Wirkungsbereichen zuwandte. Da die Reglerbruderschaft ihre Brüder über die Patriziersöhne der Stadt Erfurt rekrutierte, unterhielt das Stift rege Kontakte zum Stadtrat und zum Besitzbürgertum.

Wer die Kirche heute betritt, schreitet durch den hochromanischen Teil, das Portal zwischen den beiden Türmen aus der gleichen Bauepoche. Dahinter erschließt sich der hochgotische Teil der Kirche, die vierjochige Pfeilerbasilika, die um eine Seitenschiffsbreite erweitert wurde. Das Langhaus und der Chor wurden nach dem großen Stadtbrand von 1291 sukzessive erneuert. Der Wiederaufbau soll um die Mitte des 14. Jh. vollendet worden sein. Im Chor erschließt sich dem Blick einer der großen, künstlerisch sehr wertvollen Flügelaltäre des Mittelalters, der durch Öffnen und Schließen der Doppelflügel auf die verschiedenen Höhepunkte des Kirchenjahres ausgerichtet werden kann.

Auf unserem Kalenderbild ist die Festtagsseite des Altars zu sehen. Es wird vermutet, dass mindestens zwei Künstler, ein Maler und ein Schnitzer, den Altar im 15. Jh. geschaffen haben. Ihre Namen sind nicht bekannt, deshalb findet sich in der Literatur immer wieder die Notbezeichnung, die „Meister des Regleraltars“. Die Festtagsseite umfasst den inneren Mittelschrein und die beiden Flügel jeweils zur linken und zur rechten Seite. Im Mittelschrein ist im Zentrum die Krönung Mariens zu sehen. Linker Hand erschließt der Künstler in sechs Schnitzreliefs das Thema die „Freuden Mariens“ auf zwei Geschoßebenen: die Verkündigung der frohen Botschaft durch den Engel an Maria, die Geburt Christi, die Anbetung durch die drei Könige auf dem oberen Geschoß, unten die Darstellung im Tempel, der 12Jährige Jesus im Tempel und Marias Tod. Auf der rechten Seite sind die „Leiden der Mutter Gottes am Sohne“ in sechs Schnitzreliefs thematisiert: Verrat durch Judas, Jesus vor Kaiphas, Christus als Schmerzensmann vor Pilatus, Kreuztragung, Kreuzigung und Auferstehung Jesu.

Es lohnt sich, den Altar über eine professionelle Führung anzuschauen und erklären zu lassen.

Quellen:
Gerhard Kaiser und Roland Möller: Die Reglerkirche zu Erfurt. Regensburg 1998
Antje Bauer: Erfurt: Bilder und Geschichte(n). Arnstadt 2017

22. Dezember – Kaufmannskirche, Kaufmannsviertel und Anger

Foto: Marion Eich-Born

Die Kaufmannskirche wurde 1248 erstmals urkundlich erwähnt. Sie zählt jedoch zu den ältesten Kirchen der Stadt, der Bau geht wahrscheinlich auf das 11. Jahrhundert zurück. Zunächst romanisch ausgestaltet, wurde sie später im Stil der Gotik umgebaut. Sie war das Zentrum der Kaufmännersiedlung, die wiederum bis an die Krämerbrücke heranreichte. Die Kirche war zwar ein Gotteshaus, diente aber auch beruflichen Zwecken als Lager, Zollstelle und Verhandlungsraum der Kaufleute. Luther predigte in der Kaufmannskirche 1522, nachdem er im Wormser Reichstag seine Thesen nicht widerrufen hatte.

Unmittelbar vor den Toren der Kirche befindet sich das Lutherdenkmal Erfurts, das aber erst 1889 von Hamburger Bildhauer Fritz Schaper gestaltet wurde. Es ist deshalb nicht in unserer historischen Karte zu entdecken. „Die Statue steht mit dem Rücken zur Kirche und schaut in Richtung des katholischen Nonnenklosters der Ursulinen“, so heißt es bei unseren Stadtführungen oftmals scherzhaft als Anspielung auf seine spätere Ehefrau Katharina von Bora und den Lutherischen Reformgeist. Der Kirche wird ein weiteres historisches Ereignis zugeschrieben: Die Hochzeit von Johann Sebastian Bachs Eltern im Jahr 1668. Interessant ist in der Kirche der Stammbaum der Familie Bach, die die Kaufmannskirche als ihre Hauskirche betrachtete.

Sinnigerweise war der Waidmarkt der Stadt Erfurt unmittelbar vor der Kaufmannskirche: der Anger. Dort wurde der Waid von den Bauern aus den umgebenden Dörfern feilgeboten. Dass Waid sich mehrfach im Jahr ernten ließ, konnte er von Trinitatis an bis in den Herbst hinein auf dem Anger gehandelt werden. Der Erfurter Anger zählte zu den größten Waidmärkten Europas. Der Reichtum der Waidjunker resultierte aus der enormen Gewinnspanne. Dies spiegelt sich bis heute in der historischen Bausubstanz der Stadt wider. So sagte man den Waidhändlern nach, dass ein Gramm Waidpulver, ein Gramm Gold einbrachte. Das Haus zum Stockfisch steht stellvertretend für die vielen heute noch erhaltenen und kostbar restaurierten Waidjunkerhäuser in Erfurt.

21. Dezember – Biereigner und Waidjunker

Foto: Marion Eich-Born, Das heutige Stadtarchiv, ehemaliges Bürgerhaus von Ratsherr Otto Ziegler

Die eigentliche Veredelung von Waid zum Blaufärbemittel vollzogen die Waidjunker. Die Verarbeitung geschah auf eine Weise, die in Erfurt die Atmosphäre in vielerlei Hinsicht stark beeinträchtigt haben dürfte, denn Urin diente u.a. als Gärungsmittel. Und hier schließt sich der Kreis zu den Bierbrauern, die oftmals unmittelbar mit den Waidjunkern identisch waren. Sobald ihr Bier gebraut war, beauftragten sie die Bierrufer auf Junkerhof aufmerksam zu machen, oder sie hängten einen Büschel Stroh aus einem der beiden Löcher über ihren Torbogen heraus. Das bedeutete dann, dass man „einen Tag blau“ machte für die Bierproduktion und die anschließende Blaufärbeaktion. Der Waidhandel war in der damaligen Zeit ausgesprochen lukrativ mit einer 25prozentigen Gewinnspanne. Davon würde heute so manch ein Produzent im Textilgewerbe in Europa träumen.

Die Produktion war im Mittelalter stark reglementiert. Die Bauern verkauften die Waidbälle auf dem Anger. Die eigentliche Produktion der blauen Farbe erfolgte dann durch die Waidjunker. Sie ließen die Waidbällchen auf dem Waidboden zerschlagen und befeuchteten sie u.a. mit Urin, um den Gärungsprozess in Gang zu setzen. Daraus bildete sich schließlich Indigo, die blaue Farbe. Die Herstellung der blauen Farbe aus Färberwaid war in Deutschland im Wesentlichen auf Thüringen beschränkt, in Italien war die Produktion von Färberwaid auf die Region um Urbino, in Frankreich auf den Großraum Toulouse konzentriert. Im 17. Jh. erlebte die Waidwirtschaft in Erfurt ihren Niedergang, da die Ost-Indien-Kompanie sehr zügig nach ihrer Gründung  das indische Indigo in Europa einführte, das die dreißigfache Farbstoffmenge gegenüber dem Färberwaid garantierte. Damit war die Hochzeit der Waidjunker im Erfurter Becken beendet.

Quellen:
Landeshauptstadt Erfurt (Hrsg.): Es braut sich was zusammen. Erfurt und das Bier. Erfurt 2018
Antje Bauer: Erfurt: Bilder und Geschichte(n). Arnstadt 2017

20. Dezember – Bierrufer

Quelle: Stadtarchiv Erfurt

Im Mittelalter und schon zuvor war Bier ein Alltagsgetränk, das zunächst von Mönchen in den Klöstern gebraut wurde. Bier half ihnen, die langen Fastenwochen besser zu überstehen. Denn Flüssigkeit brach die Fastenregeln nicht. Mit zunehmendem Handel wurde die Kunst des Bierbrauens aus ökonomischer Sicht auch für Kaufleute interessant. Sie hatte aber auch eine medizinische Funktion: Das Wasser war durch die vielen Gewerbetreibenden verunreinigt etwa durch die Waidjunker, Gerber, Wollweber und Färber. Außerdem fehlte ein Kanalisationssystem, das Wasserzu- und -abfluss voneinander trennte. Da im Bier keine krankmachenden Keime gedeihen können, diente es als Alltagsgetränk. Ab dem 13. Jahrhundert wurde Bier mit Hopfen erzeugt, was zu längerer Haltbarkeit führte.

Das Recht, Bier zu brauen, wurde jedoch nur einer kleinen Gruppe von betuchteren Erfurtern gewährt, den sogenannten Biereigen, die auch als Walpurgisherren bezeichnet wurden. Grundlage für die Vergabe des Braurechts war das Grundstück, der Biereigenhof, auf dem die Brauerei stattfand, als auch ein versteuerbares Vermögen von 400 bis 500 Gulden. In der Mitte des 16. Jahrhunderts verzeichnet das Stammbuch der Walpurgisherren um die Erfurter Kaufmannskirche 277 Personennamen von Erfurtern mit Braurecht. Sie hätten sich ohne ein Regulatorium Konkurrenz gemacht, wenn nicht der Erfurter Rat zugleich das Ziel verfolgte, für eine stabile Versorgung der Bevölkerung mit dem Lebensmittel Bier zu sorgen.  Zu diesem Zweck wurde durch ein Losverfahren das Reihebrauen eingeführt: die Festlegung, wann jeder Biereigen an welchen Tagen des Jahres sein Bier (1.500 Liter) anbieten durfte. Damit die Bürger erfuhren, wann und wo Bier von ihnen erworben werden konnte, wurden Bierrufer als Institution eingeführt. Am 1. Mai, dem Walpurgistag, wurden die Bierrufer der Erfurter Stadtviertel jedes Jahr neu eingekleidet. Wie die Abbildung im Fenster 20 deutlich macht, war die Ausstattung durch Farbe und Schnitt auffallend, so wie es sich für einen Bierrufer, der auf das Produkt aufmerksam machen sollte, sinnvoll war.

Quellen:
Landeshauptstadt Erfurt (Hrsg.): Es braut sich was zusammen. Erfurt und das Bier. Erfurt 2018
Antje Bauer: Erfurt: Bilder und Geschichte(n). Arnstadt 2017

19. Dezember – Brunnenkresse

Quelle: Blüthner, Wolf-Dieter, Fischer, Ralf und Bosecker, Christel: Brunnenkresse. Erfurt 2016

Brunnenkresse ist ursprünglich eine wildwachsende Pflanze, die in sauberen Quellen und Wasserläufen möglichst gleichmäßig temperiertem, nährstoffreichem Wasser wächst. In der Regel sind es flache Gewässer mit geringer Strömung. Die ältesten Dokumente, die die Existenz der Brunnenkresse in Erfurt belegen, reichen in das Jahr 1630 zurück. Ursprungsgebiet dürfte die Dreibrunnenregion gewesen sein, in der bis heute der Anbau der Brunnenkresse kommerziell betrieben wird. Der Gärtner Hans Hartzen hat die wildwachsende Kresse ab 1665 gesammelt und auf dem Erfurter Markt verkauft. Die Pflanze entwickelte sich schnell zu einem Verkaufsschlager, denn die Erntezeit reichte vom September über den Winter hinweg bis in den Mai hinein. Die Verfügbarkeit war also zu der Zeit im Jahr gewährleistet, in der alternatives Gemüse oder Salate mit ihren wichtigen Nährstoffen nicht mehr angeboten werden konnten. Ab 1687 wurden Anbauflächen für die Brunnenkresse künstlich angelegt. Christian Reichart (1685-1775) entwickelte eine Wasserkultur für die Brunnenkresse, indem künstlich angelegte Kresseklingen parallel zu Dämmen mit Gemüseanbau kombiniert wurden.

Quelle: Wolf-Dieter Blüther, Ralf Fischer und Christel Bosecker: Brunnenkresse. Erfurt 2016