8. Dezember – Der Hochzeitsring und das jüdische Viertel

Quelle: Alte Synagoge Erfurt / Thüringer Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie

Die erste jüdische Ansiedlung in Erfurt ist urkundlich im Jahr 1212 in einem Schreiben Kaiser Ottos IV. verbrieft. Die älteste in Deutschland erhaltene Synagoge befindet sich in Erfurt im ehemaligen Judenviertel. Ihre Grundsteinlegung wird deutlich früher vermutet: noch vor 1100. Im darauffolgenden Jahrhundert hat der damalige Erzbischof Konrad I. den Erfurter Judeneid bestätigt. Während die Christen mit der Hand auf der Bibel ihren Eid vor Gericht ablegten, hatte der christliche Eid für Nichtchristen keine Gültigkeit.  Der spezifische Judeneid wurde mit der Hand auf dem Alten Testament vor Gericht vollzogen.

Das Judenviertel umfasste den Fischmarkt, die Michaelisstraße, die Allerheiligenstraße und die Waagegasse also das unmittelbare Umfeld der Krämerbrücke. In der Waagegasse ist die Alte Synagoge erst 1990 im Zusammenhang mit dem Abriss der innerstädtischen Umbauung als solche wiederentdeckt worden. Die Phasen des jüdischen Lebens lassen sich an den äußerlich gut erkennbaren verschiedenen Bauetappen zurückverfolgen. Stadtbrände und Pogrome führten zu Wiederaufbau und Erweiterungen.  Nach dem Pogrom von 1349 kam die Synagoge schließlich in christlichen Besitz und wurde als Speicher ausgestaltet. Ab 1458 durften sich Juden nicht mehr in Erfurt niederlassen, das änderte sich erst wieder zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

In unmittelbarer Nachbarschaft, auf der Rückseite der Michaelisstraße hin zur Krämerbrücke, befindet sich die Mikwe. In dem rituellen Bad wuschen sich Gläubige mit dem Gera-Grundwasser.

Aus den ersten Jahren des 14. Jh. dürfte der sogenannte Hochzeitsring stammen, der bei Abrissarbeiten in der Michaelisstraße in den 1990er Jahren neben vielen weiteren Schätzen entdeckt wurde. Vermutlich hatten die Eigentümer ihre Wertgegenstände zur Zeit des Pogroms von 1349 unter einer alten Treppe in Sicherheit gebracht. Heute befindet sich der „Erfurter Schatz“ auf hervorragende Weise museal präsentiert im Untergeschoss der alten Synagoge für Besucher eindrucksvoll ausgestellt.

Quelle: Alte Synagoge Erfurt zum Judeneid

Textquelle: Hermann H. Saitz: Erfurt zu Fuß. Erfurt 2016 und Steffen Raßloff: Geschichte der Stadt Erfurt. Erfurt 2019

Veröffentlicht von corioluskraft24

Verfasser der Kommentare zum Adventskalender 2020

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