16. Dezember – Gloriosa

Quelle: Stadtarchiv Erfurt

Gloriosa – „die Ruhmreiche“ Glocke, wurde in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1497 von Gerhard Wou aus Kampen gegossen und ist im Mittelturm des Erfurter Doms bis heute „zu Hause“. Es ist die größte, mittelalterliche, frei schwingende Glocke mit einem Gewicht von 11.450 kg und einem Durchmesser von mehr als 2,50 m. Es ist die sechste Glocke dieses Namens im Erfurter Dom. Die Vorgängergenerationen hatten entweder in ihrer kurzen Lebenszeit Schäden entwickelt oder wurden Opfer der im Mittelalter häufig auftretenden Stadtbrände. So u.a. auch in den Jahren 1416 und 1472. Der damalige Weihbischof Johannes Bohnemilch, der sie schließlich auch weihte, hatte die Glocke bei Gerhard Wou in Auftrag gegeben. Der Guss erfolgte auf dem Domberg zwischen Dom und Severikirche und war eine sehr feierliche Veranstaltung. Das Anheizen des Ofens dauerte 10 Stunden, bis die entsprechende Temperatur erreicht war. Erst dann hatte die Glockenspeise den erforderlichen Flüssigkeitsgrad erreicht, um den Guss zu vollziehen. Dieser Prozess nahm insgesamt 4 Stunden in Anspruch und erfolgte im Beisein der Stiftsherren, die am Ende das Te Deum laudamus sangen. 1499 wurde die Glocke schließlich in das Glockengestell des Mittelturms gehoben. Dazu mussten mehrere Gewölbe durchgebrochen werden. Zum Schutz der Glocke wurden ober- und unterhalb wiederum Gewölbe eingezogen.

Jenseits unseres Zeithorizonts von 742-1678:

1717 war die Gloriosa nach einem Blitzeinschlag in dem Turm denn auch die einzige Glocke, die nicht zu Schaden kam, was den oben genannten baulichen Maßnahmen zu verdanken war…

1984 sprang die Glocke beim Einläuten des Heiligen Abends. Die Ursache für den Sprung geht zeitlich weit zurück in das Jahr 1899, als die Glocke um 90 Grad gedreht worden war. Begründet wurde die Veränderung mit dem Klöppeleinschlag, der nicht immer an derselben Stelle erfolgen sollte. In den 20er Jahren wurde schließlich noch ein größerer Klöppel zum Einsatz gebracht. Der Sprung wurde im selben Jahr von einem erfahrenen Glockengießer geschweißt, allerdings kam es 2004 wieder zu einem Haarriss. Mit einem sehr aufwendigen Verfahren wurde die Glocke aus dem Turm gehoben und über einen Schwertransport in die Nördlinger Glockenschweißerei Lachenmeyer verbracht. Die Reparatur war erfolgreich und bescherte der alten Glocke eine deutlich längere Abklingdauer. Die Befestigung der Glocke im Mittelturm des Erfurter Doms war ein Großereignis, dem sehr viele Erfurter auf dem Domplatz zuschauten. Nun erklingt die Gloriosa an den hohen kirchlichen Festtagen und ist wieder weit über die Grenzen der Stadt hinweg hörbar. Das soll die Platzierung des Gloriosa Türchens in unserem Adventskalender zum Ausdruck bringen.

Quelle: Andreas Gold, Dombaumeister und Franz Peter Schilling: Erfurter Glocken – Die Glocken des Domes, der Severikirche und des Petersklosters zu Erfurt. Berlin 1968.

Veröffentlicht von corioluskraft24

Verfasser der Kommentare zum Adventskalender 2020

%d Bloggern gefällt das: