Andreaskirche

Die Andreaskirche wurde 1216 erstmals urkundlich erwähnt. Sie steht in einem mittelalterlichen Handwerkerviertel und gab diesem den Namen ANDREAS-VIERTEL.

Die Andreasglocke

Ein besonderer Zauber rankt sich um Glocken. Wir hören ihr Geläut von den Türmen unserer Kirchen, bewundern den Klang der alten Meisterwerke Erfurter Glockengießerkunst. Die Große Andreasglocke lässt seit 1599 ihren eheren Ruf über das Andreasviertel erklingen. Besatzungen, Brände und Kriege hat sie wohlbehalten in ihrer Glockenstube im Andreasturm überstanden. über ein halbes Jahr, von Februar bis September 2007, blieb sie stumm. Experten hatten ihr eine aufwendige Reparatur verordnet. Der Grund: Einer „Mode“ folgend hat man vor etwa 100 Jahren viele Glocken gedreht und den Anschlagpunkt des Klöppels am Schlagring verändert. Man meinte, so die Glocken entlasten zu können. Dieser Fehler von damals hatte die Andreasglocke „verletzt“. Sie musste in ihre ursprüngliche Position gedreht und ihre Aufhängung am Joch verändert werden. Berechnungen haben auch ergeben, dass ein neuer Klöppel geschmiedet werden musste, da Gewicht und Geometrie des alten Schlagwerkes nicht zur Glockengröße bzw. zu ihrer Form passen. Seit dem 28. September 2007 lässt die Andreasglocke wieder ihren herrlichen Klang wieder über das Andreasviertel erklingen – ihr Läuten ist schöner denn je!

Die Lutherplatte

Am 18. Februar 1546 starb der Reformator Dr. Martin Luther im Alter von 63 Jahren in Eisleben. Er wurde in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt. Luthers Landesvater, Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige (1503 bis 1554), veranlasste den Guss einer Bronzegrabplatte für die Schlosskirche zu Wittenberg. Den Auftrag erhielt der Erfurter Gießer Heinrich Ciegeler der Jüngere. Der Guss erfolgte 1548 in seiner Werkstatt. Vater und Sohn Heinrich Ciegeler waren erfolgreiche Rotgießer, die Geschütze, Glocken etc. herstellten. Sie hatten von 1499 bis 1556 in Erfurt ihre Werkstatt. Aus seiner Gefangenschaft erkundigte sich der Kurfürst immer wieder nach der Fertigstellung der Platte sowie deren Überführung nach Wittenberg. In Kriegswirren gelangte die Bronzegrabplatte von Erfurt 1549 über Wittenberg und Weimar 1571 in die Michaeliskirche nach Jena. Dort fand sie ihren endgültigen Platz. Ein Abguss der Grabplatte von 1892 befindet sich heute in der Schlosskirche zu Wittenberg.
Holzmodell in der Andreaskirche:
Zur Herstellung eines Bronzegusses ist ein Modell notwendig. Für die Grabplatte Martin Luthers war es ein Holzmodell. Dieses Modell ist erhalten geblieben und befindet sich in der Andreaskirche. Der Schnitzer des Modells ist nicht bekannt. Es könnte ihm ein Musterblatt von Lucas Cranach vorgelegen haben. Das Holzmodell der Grabplatte befand sich 1726 im Besitz der Erfurter Familie Hornung. Pfingsten 1727 überließ die Haushälterin Kattrina Regina Birreign das Modell der Andreaskirche.

Ältestes Lutherdenkmal
Restaurierungen und auch Veränderungen am Holzmodell wurden 1672, 1727, 1931 und 1981/83 vorgenommen. Das Lutherrelief, Wappen, Rahmenteile einschl. des Schriftbandes sind aus Lindnholz geschnitzt. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts wurde eine erste Farbgestaltung des Modells der Grabplatte vorgenommen. Bei der letzten Restaurierung hat man die Farbfassung von 1727 wieder hergestellt. Das Modell der Grabplatte von MartinLuther in der Andreaskirche ist in seiner heutigen Form das älteste bekannte Lutherdenkmal.

Die Kummerorgel

1787: Umfassende Bauarbeiten fanden 1768/69 statt. Die Mauern des Langhauses wurden erhöht und rechteckige Fenster eingebaut. Die Spitztonne wurde entfernt und durch eine Flachdecke ersetzt.
1787 baute der Orgelbauer Kummer aus Dachwig eine neue Orgel ein. Die Orgel der Andreaskirche wurde von 1987 bis 1989 durch die Orgelbaufirma A. Voigt (Bad Liebenwerda) umfassend rekonstruiert. Maßgabe war damals, soviel als irgend möglich vom Bestand der historischen Kummer-Orgel aus dem Jahr 1787 zu übernehmen. Es konnten der wunderschöne Orgelprospekt, etwa 40 Prozent der alten Orgelpfeifen und große Teile des Orgelwerkes der Kummer-Orgel von 1787 erhalten werden. Die Kummer-Orgel hat zwei Manuale, Pedal und 25 Register. Ihre Traktur und Registratur sind mechanisch. Die Orgel steht auf 440 Hertz und ist gleichstufig gestimmt.

Der Kanzelaltar

1679: Seit diesem Jahr steht der große Kanzelaltar in der Andreaskirche. Zwischen 1708 und 1728 wurden an der Ostseite der Kirche eine Sakristei und Beichtstube angebaut. 1689 hat man den Schwibbogen abgetragen und die Westwand wieder vermauert. Reste des Schwibbogens, seine Form und Größe sind heute noch an der Westwand der Kirche erkennbar.
Beim Kanzelaltar in der Andreaskirche bilden Altar und Kanzel eine Einheit. Der Altar aus Tannenholz ist etwa neun Meter hoch und fünf Meter breit. Die Mittelachse mit der Kanzel wird durch das krönende ellipsenförmige Medaillon mit Darstellung des Christus am Ölberg und dem auferstandenen Christus besonders betont. In den Nebenachsen stehen Moses und Johannes der Täufer als Vollplastiken.

Christian Gotthilf Salzmann (1744 – 1811) – Pfarrer der Andreasgemeinde


Christian Gotthilf Salzmann, Lithographie 18. Jahrhundert
Quelle: wikipedia.de

Salzmann wurde am 1. Juni 1744 in Sömmerda geboren. Nach Besuch des Lyzeums in Bad Langensalza studierte er von 1761 bis 1764 Theologie in Jena. Nach einem Pfarramt in Rohrborn wurde Salzmann 1772 Pfarrer der Andreaskirche. Seiner pädagogischen Intension folgend ging er 1781 als Religionslehrer an der Dessauer Erziehungsanstalt „Philanthropium“. (Diese Anstalt hatte J. B. Basedow 1774 gegründet.) 1783 begannen die Vorbereitungen für den Aufbau einer Kindererziehungsanstalt in Schnepfenthal. Er leitete Schule und Kinderheim im Thüringer Wald 27 Jahre lang. Salzmann starb am

31. Oktober 1811. Salzmann – Anwalt der Kinder!
Christian Gotthilf Salzmann war Anwalt der Kinder. Deshalb ist sein pädagogisches Anliegen nicht nur die Erziehung der Schüler, für die er in seiner Reformschule einen neuen Lebens- und Erfahrungsraum schuf, sondern die Selbsterziehung der Erzieher, damit sie die Welt der Kinder mit den Augen der Kinder erschließen lernen. ‰Lerne die Kinder kennen.“ Aus dieser Aufforderung entwickelte Salzmann die provozierende These: „Von allen Fehlern und Untugenden seiner Zöglinge muss der Erzieher den Grund in sich selbst suchen. Im Verhältnis von Eltern bzw. Erziehern und Kindern beeinflussen beide Seiten sich gegenseitig.“ Viele pädagogische Fragen werden dadurch aufgeworfen, dass die Kinder die Eltern erziehen. „Sonst war es Mode, dass die Kinder den Eltern gehorchen mussten, jetzt gehorchen Eltern dem Kinde.“ Die Grundlage für Salzmanns Überlegungen und Umsetzungen wurde in seiner Zeit als Pfarrer an der Andreaskirche von 1772 bis 1781 gelegt. Das menschliche Elend, das ihm hier begegnete, die fürchterlichen Zustände in den Schulen, für die er zuständig war, prägten ihn und sein Wirken. In Erfurt wurden Salzmann und seiner Ehefrau fünf Kinder geboren. Mit seinen Kindern machte er auch erste pädagogische Erfahrungen. Als Anweisung zu einer „zwar nicht vernünftigen, aber doch modischen Erziehung der Erzieher“ schrieb er in Erfurt sein KREBSBÄCHLEIN, das 1870 auch in Erfurt verlegt wurde.